Im Gasthaus »Zum Ochsen« in Keilersried hatte ich mir in dieser Nacht ein Zimmer mit Rondrigo geteilt. Vom »Drachenschlecker«, wie ich Hjore fortan nur noch nannte, wollte ich nichts mehr wissen. Ach, der gute alte Rondrigo, auf ihn war einfach immer Verlass.
Am nächsten Morgen berichtete ich Vayah beim Frühstück von der Begegnung mit der Drachenelfe. Rondrigo ergänzte an der ein oder anderen Stelle. Sie, die Elfen, erklärte Vayah daraufhin, könnten sich in ihre Seelentiere verwandeln. Ein Drache als Seelentier sei jedoch höchst ungewöhnlich. Wie sie genau ausgesehen habe? Blass, regelrecht weiß, das galt auch für ihr Haar und gänzlich nackt, dabei schien sie die Kälte nicht gespürt zu haben. Und ihre Augenfarbe? Golden, meinte sich der Ritter zu erinnern. Nun, schloss Vayah da, diese Elfe, die wir da getroffen hätten, das müsse Pardona gewesen sein. Bei Praios, nicht das auch noch! Traue sie ihr die Sache mit den Vampiren zu? In der Tat. Habe sie Hjore verzaubert. Gewiss nicht nur ihn.
Nachdem Ersatz für das getötete Pferd gefunden worden war, brachen wir gen Rhodenstein auf. Dort hofften wir auf weitere und vor allem nützlichere Informationen zu stoßen. Die Rhodensteiner waren doch bekannt dafür, alles aufzuschreiben, oder nicht? Weil auch der »Drachenschlecker« dabei war, zog ich es vor zu reiten. Und weil ich ritt, ritt auch Rondrigo. Es war sehr mühsam, da dichtes Schneetreiben herrschte. Nach Rhodenstein würden wir so gewiss fünf Tage brauchen. Oh, Praios steh mir bei!
Gegen Mittag erreichte uns eine Reiterin. Die Kopfgeldjägerin Firunwild Eichenblatt glaubte doch tatsächlich in mir die gesuchte Raubmörderin Gilia Rübenkraudt wiederzuerkennen. Waren eigentlich alle Menschen um uns herum dem Wahnsinn anheimgefallen?
Am Abend stiegen wir »Bei Waidfrida« in Schnakenteich ab. Dort erfuhren wir, dass vor drei Tagen, am 25. Travia hier drei Tote gefunden wurden. Es war die Familie des Jagdaufsehers Finian. Der Bauer Jedwin Runkeltopf hatte die Toten zusammen mit Pennarwan Ranzenstecher und Ulmlind Quellenfold gefunden. Im Haus der Familie sei einige Tage kein Licht gesehen worden, daher hätten sie dort nach dem Rechten schauen wollen. Aufgrund des unwirtlichen Wetters in letzter Zeit waren die Toten noch nicht begraben worden. Wir ließen uns von Jedwin zur Dorfschulzin Getrud Weyhenweder bringen. Die Toten hätten alle im Bett in ihrem Haus gelegen, Nachthemden getragen und ausgesehen, als schliefen sie. Das Bett sei etwas zerwühlt gewesen, die Körper kalt und blass. Wir schauten uns die Körper der Toten genauer an. Rondrigo fand Bissspuren. Auf Vayahs Antrieb hin ließen wir uns zu dem Haus der Verstorbenen bringen. Leider fand sich auch dort nichts. Wäre auch zu einfach gewesen. Die Elfe meinte aber, dass die Kreatur sich ganz sicher im Wald aufhalten würde. Wir wollten uns am nächsten Tag den Wald genauer ansehen, gingen aber jetzt erst einmal zurück ins Gasthaus.
Wieder teilten Rondrigo und ich ein Zimmer. In dieser Nacht hatte mein treuer Begleiter einen Albtraum.