An Euer Ehrwürden Glorificata von Gareth, Stadt des Lichts
Gegeben Ende Boron 1009 BF in Khunchom
Liebste Tante Glorificata,
die letzten Monde ist so viel geschehen, dass ich gar nicht weiß, wo ich mit meinem Bericht eigentlich anfangen soll und vermutlich wird alles vollumfänglich zu erzählen, noch dazu in einem Brief, gar nicht möglich sein. Ich will beim Gauklerfest, welches Ende Travia 1009 BF hier in Khunchom stattfand, beginnen. Dort wurde die sehr bekannte Gauklerfamilie da Merinal bereits ungeduldig erwartet. Mitten in der Nacht, nachdem ich dort bereits die ein oder andere kleine, aber unfassbar süße Leckerei verspeist hatte, kamen sie dann endlich. Es war aber keine Ankunft, wie man sie erwartet hatte, stand uns doch allen der Sinn nach Zerstreuung und Frohsinn, es war Gedränge und Geschrei, Geschluchze und Verzweiflung. Stell dir vor, sie waren von einer niederhöllischen Kreatur angegriffen worden! Natürlich konnte ich diesem schändlichen Treiben gegen die Zwölfe nicht teilnahmslos gegenüberstehen. Mit einigen weiteren, tapferen Recken, manche davon waren mir bereits bekannt, andere waren mir fremd, brachen wir schlussendlich auf. Die einen, weil es einen Dämonen zu vernichten gab, die anderen, um die verschwundenen Knaben der da Merinals zu finden. Mit mir auf diese gefährliche Reise an den Rand der Wüste Gor begaben sich:
Rondrigo von Sankt Parinor, der mir bereits bekannt war, da ich einen widerwärtigen Zauber durch die Hilfe unseres Herren von ihm genommen hatte. Er ist unserem Herrn fast genauso treu ergeben wie wir und sah es fortan als seine heilige Pflicht an mich zu beschützen – ganz gleich wie schwer seine Wunden auch waren.
Armin di Basra, ein aranischer Kämpfer und Prinz, der absolut außergewöhnlich gut gekleidet war, der sich aber auch exzellent auf den Umgang mit seiner Waffe verstand und von dem man sich erzählte, dass er sich in seiner Heimat ein unvergessliches Duell geliefert habe.
Rorlik, ein Thorwaler und Glaubensbruder des Swafnir, der immerzu davon sprach, dass elendige Hrangar-Gezücht zu vernichten und der bei unserem ersten Aufeinandertreffen sofort mit mir den örtlichen Rahja-Tempel aufsuchen wollte – nur um es vorwegzunehmen, das ist so nie passiert.
Hjore Askirson, Vetter Rorliks, ebenfalls Thorwaler und einer, der nicht nur Madas Fluch in sich trägt, sondern darauf auch noch stolz ist! Noch heute bin ich aber nicht restlos davon überzeugt, dass er tatsächlich auch Magie beherrscht, obgleich sein Magiersiegel echt zu sein scheint.
Gryox, ein Zwerg, der uns das ein oder andere Mal äußerst kundig durch die Wildnis führte, wobei ich mich nie daran gewöhnen werde, dass er gerne auch mal im Rahjagewand Sumus-Kraft beschwor – ich weiß wirklich nicht, was ich gruseliger finde.
Alari, eine Elfe, von der Schwester Lechmine einst einen hervorragenden Bogen erstanden hatte und sie daher in höchsten Tönen mir gegenüber gelobt hatte – obgleich es sich um eine Elfe handelte. Im Vergleich zu ihr, mache ich mir aus Bögen nichts. Und irgendwie lösen diese Elfen alle dasselbe aus: Sie sind bedauernswerte Kinder, die einfach nicht verstehen können, was um sie herum geschieht, besser wäre es daher, sie von Madas Fluch zu befreien.
Bukhar, ein Geschichtenerzähler und äußerst guter Kämpfer, dessen Geschichte ich dir jedoch besser einmal von Angesicht zu Angesicht erzähle.
Rafim, der Herr der Linsen, weil er genau selbige immerzu auf unserer Reise zubereitete, entweder beherrschte er kein anderes Gericht oder er wollte uns damit foltern.
Nahe der Wüste Gor stellte sich dann heraus, dass einer der beiden Knaben tot war, der andere schien in die Wüste hinein verschleppt worden zu sein und möglicherweise noch am Leben. Fest stand jedoch, es war etwas Niederhöllisches hier am Werk gewesen, das vernichtet werden musste. So machten wir uns auf in die Wüste Gor hinein. Es war ein beschwerlicher Weg, der in einem Tal voller Sklaven endete. In einem großen, finsteren Turm mussten wir uns dem Schwarzmagier Liscom von Fasar, zuvor seinen Schergen und dämonischen Kreaturen stellen. Seinen Hesthot zerschmetterte ich mit einem einzigen gezielten Schlag meines Sonnenszepters – unser Herr war auch an diesem den Göttern so fernen Ort mit mir. Gemeinsam brachten wir den Magier zur Strecke. Er hatte sich an einem finsteren magischen Ritual mit dem verschwundenen Knaben versuchen wollen. Nähere werde ich Dir berichten, wenn wir uns wieder sehen.
Die Sklaven aus dem Tal wurden befreit und der Knabe von uns zu seiner Familie zurückgebracht. Die da Merinals waren überglücklich zumindest einen ihrer Söhne wohlbehalten zurückbekommen zu haben, obgleich der Verlust des anderen Sohnes sie zutiefst schmerzte. Dennoch wurde natürlich gefeiert: Immerhin galt es eine Hochzeit zu feiern. Anschließend trennen sich die Wege meiner neuen Gefährten und mir – vorerst.
Ich plane noch einige Zeit hier in Khunchom zu bleiben, um mich von den Strapazen zu erholen, danach werde ich gemeinsam mit einem meiner neuen Gefährten zumindest einen Teil der Reise zurücklegen.
Praios mit Dir!
Aurelia