Tanz der Träume – Schloss (Teil I)
Tanz der Träume – Schloss (Teil I)

Tanz der Träume – Schloss (Teil I)

Ohne Zögern nahm ich die Einladung der Gesellschaft an. Fortan sollte ich in einem prächtigen Schloss unweit von Uppsala wohn… ähm residieren. Das konnte ich mir natürlich keinesfalls entgehen lassen. Wer wollte denn nicht in einem riesigen, prunkvollen Schloss umringt von Dienstpersonal, das einem jeden Wunsch von den Lippen ablas, leben? So packte ich also meine Sachen und machte mich auf den Weg.

Doch als ich beim Schloss ankam, da stockte mir der Atem. Das … das … das da war das angepriesene Schloss? Sei der Kutscher sicher, dass er sich nicht geirrt habe? Nein, erwiderte er nur knapp und machte sich auf den Rückweg. Das Problem war … ja … also das Problem war … wie sollte ich es beschreiben? Dieses verfluchte Schloss war ein vermaledeite Ruine! Eine RUINE! Das konnte doch nicht wahr sein? Das durfte nicht wahr sein! Wie konnte mir die Gesellschaft das nur antun? Hatten sie etwa nicht gewusst, in welchem Zustand sich dieses Schloss befand? Wobei das Wort Zustand eigentlich schon eine Untertreibung war. Es war eine Ruine. Verfallen, vermodert und vergammelt. Ich rümpfte die Nase.

Doch da der Kutscher bereits weg und ich nun einmal hier war, machte ich mich auf den Weg hinein. Mein Gebäck schleppte ich selbst. Von Dienstpersonal keine Spur. Wieder einmal stellte ich fest, dass ich meine Nyckelharpa wirklich von Herzen liebt, aber sie einfach unfassbar schwer war. Puh.

Drinnen traf ich dann auf einen alten Mann, der mich fragend anblickte. Ich stellte mich ihm vor: Ich sei Salome Sundström und hierhin von der Gesellschaft eingeladen. Er hieß mich willkommen und erklärte, dass er der Hausdiener sei, der sich hier um alles kümmerte. Um alles kümmerte? Innerlich lachte ich. Das Schloss war eine verdammte Ruine, das Dach schien undicht, überall waren Schüsseln, alte Töpfe und Eimer aufgestellt, drinnen war es zugig und kalt, unordentlich und verstaubt, was tat dieser Mann den ganzen Tag? Doch ich verkniff mir Widerworte. Könne er mich zu meinem Zimmer bringen? Aber selbstredend. Damit ging der Hausdiener voran und ich folgte. Nein, dieser alte Herr hatte keinen Augenblick daran gedacht, mein Gepäck die breite, knarrende und vergammelte Treppe hinaufzutragen.

Im oberen Stockwert gab es fünf Zimmer auf einem erschreckend langen und finsteren Flur. Eines davon wies er mir zu. Die Möbel darin waren alt und abgegriffen, ein bisschen Politur hätte ihnen gewiss gutgetan. Vielleicht ließ sich hier ja welche auftreiben. In dem Zimmer gab es ein einfaches Bett, einen Schreibtisch mit Stuhl, einen alten, abgewetzten Teppich, ein Bücherregal mit zwei verstaubten, vergilbten Büchern, einen Kleiderschrank mit auffälliger aber abblätternder Bauernmalerei und einen kleinen Ofen. Über allem lag eine dicke Staubschicht. Es war kalt und zugig hier, außerdem roch es so, als sei hier schon lange niemand gewesen. Ich seufzte. Hier sollte ich also wohnen? Wie grässlich! Ich schüttelte mich. Der Hausdiener brachte mir frische Bettwäsche und fügte an, dass noch weitere Gäste in den anderen Zimmern eingezogen seien. Oh, andere Gäste? In der Tat, bestätigte er mit einem langsamen Nicken, beim Abendessen könne ich sie sicherlich kennenlernen.

Ich richtete mich ein. Wischte den Stau weg. Packte meine Kleider in den Schrank und legte meine Schreibsachen auf den Schreibtisch. Wer konnte schon sagen, wann die Muße mich überkam? Anschließend spielte ich auf meiner Nyckalharpa, nicht nur um die Zeit bis zum Abendessen zu überbrücken, sondern auch um mich zu beruhigen. Dieses Schloss und vor allem dieses Zimmer war wirklich nicht das, was ich erwartet hatte.

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