Unten im Flur angekommen, hörten wir noch immer nichts aus dem Schankraum, zudem warfen die Lampen ein ungewöhnlich kühles, bläuliches Licht, das keinerlei Wärme spendete. Dies galt für alle Lampen, nur aber für unsere Laterne. Als wir zu Sophia und Sami in den Schankraum traten, traf das auch auf das Feuer im Kamin und auf die Kerzen auf den Tischen zu. Darüber hinaus stellten wir erschrocken fest, dass alle Anwesenden bis auf uns, Vater und Tochter in einen tiefen Schlaf gefallen waren. Ihre Köpfe lagen auf den Tischen, leise und ruhig atmeten sie. Der Wirt zapfte einen Krug Bier, Sophia stellte ihn auf einen Tisch. Das wiederholten sie immer wieder, ganz so als seien sie in einer Art Trance gefangen. Auch der arme Pfarrer hatte seinen Kopf auf den Tisch vor sich gebettet. Ich eilte zu ihm. Strich ihm über das Haar. Dr. Nicklas folgte mir. Prüfte den Puls des Pfarrers und erklärte, dass er sich kalt anfühle. Wir müssten auf jeden Fall verhindern, dass die Schlafenden auskühlten, deswegen wolle er Decken holen. Mit diesen Worten ging er ins obere Stockwerk hinauf.
Olaus wollte indes wissen, ob die Menschen unter dem Einfluss des Geistes stünden. Vermutlich. Aber warum sie? Weder Alexander noch ich wussten darauf eine Antwort. Wir beide zuckten mit den Schultern, da machte der Wirt plötzlich kehrt und ging ebenfalls nach oben. Verwirrt schauten wir uns an. Kurz darauf kam er wieder runter. In seinen Händen hielt er ein Seil und Dr. Nicklas rief von oben zu uns hinab, dass wir acht geben sollten, dass er niemanden aufhänge. Wenig darauf folgte er ihm hinab. Während der Wirt mit seinem Seil nach draußen ging, warf unser alter Herr Olaus die Decken zu und hieß ihn, die Anwesenden darin einzupacken.
Wir anderen folgten dem Wirt hinaus. Der traurige, regelrecht deprimierte Mann ging in eines der Nebengebäude und legte dort mit glasigem Blick den Strick um den Balken. Etwas spöttisch wollt Dr. Nicklas wissen, ob wir alles unter Kontrolle hätten? Nein, schrie ich da leicht panisch. Bräuchten wir Hilfe? Nei … ähm … Ja! Zwar versuchten sowohl der gutaussehende Adelig als auch ich, den Wirt niederzuringen, aber es gelang uns einfach nicht. Sami war viel zu kräftig für uns! So eilte der Arzt herbei, versuchte es ebenfalls, scheiterte aber auch. Ach, er war halt auch nur ein Mensch. Mit tonloser Stimmer faselte der Wirt, dass er ein Verräter sei. Wen er verraten habe? Den Toten? Pyri, sagte er da zu Alexander. Pyri war der einstige Wirt der Hexenkatze und Vater Samis gewesen. Sie hätten ihn umgebracht. Sie hätten ihn umgebracht. Inzwischen war der Mann auf eine Kiste geklettert und legte sich gerade die Schlinge um den Hals. Eilig holte Dr. Nicklas eine Leiter und machte sich daran, das Seil mit einem Skalpell auf der Oberseite des Balkens zu durchtrennen. Doch sein Fluchen war deutliches Indiz, dass er da gerade nur sein Skalpell ruiniert hatte. Er sei hier. Wo genaue er liege? Im Garten. Dann sprang er. Der alte Herr wies uns an, uns an Sami zu hängen, um das Seil zum Reißen zu bringen. Es funktionierte. Unsanft stürzten wir zu Boden. Sami blieb ohnmächtig liegen. Ich rappelte mich auf, löse die Schlinge um seinen Hals. Dr. Nicklas sah ihn sich an. Er lebe, stellte er fest. Und der Geist begann zu jammern und zu fluchen. Warum hätten wir seine Rache verhindert?
Indes bugsierten wir den Wirt in eine Schubkarre, dabei fiel ihm sein Schlüsselbund aus der Tasche, verschnürten ihn wie ein Weihnachtspaket und schoben ihn so zurück in den Schankraum. Der Geist läge hier, da waren wir uns einige. Außerdem sehe der Geist eine Erbschuld, bei der Familie Harjula, aber auch bei der Gesellschaft. Ich schüttelte mich, denn das bedeutete, dass wir alle in Gefahr waren. Wir mussten diesem Treiben so schnell wie möglich ein Ende setzten!