Noch in der Kirche besprachen wir unser weiteres Vorgehen. Die Karström war die Anführerin des Dorfes und der Kirchengrimm machte sie nicht nur noch stärker, sondern auch gefährlicher, zumal sie ihn kontrollieren konnte. Wenn wir also bis zum Treffen der Kultisten am Abend warteten, dann hätten wir es nicht nur mit der vollkommen gewissenlosen Märta zu tun, sondern auch mit der Grimmkatze. Das mussten wir unbedingt vermeiden! Zudem mussten wir das Mädchen befreien. Gemeinsam erdachten wir also einen Plan, an dessen Umsetzung wir uns sogleich machten.
Dr. Nicklas und Birgit holten die beiden Pferde, das eine hatte die Kutsche gezogen, mit dem anderen war mein allerliebster Alexander angereist, und ritten mit ihren Gewehren zur Kirche. Der Adelige und ich schauten uns indes an und in der Kirche um. Mit Leichtigkeit konnte ich im Fundament des Altars einen etwas hervorstehenden und lockeren Stein erkennen. Dahinter, davon war ich überzeugt, mussten die Knochen der Katze liegen. Ich eilte also zur Tür der Kirche und gab mit überschwänglichen Winken kund, dass wir beginnen konnten. Sofort machten sich die beiden Reiter daran, mit ihren Pferden in entgegengesetzte Richtungen von der Kirche fortzureiten, worauf ich zu Alexander zurückkehrte. Mit Hammer und Meißel bewaffnet, warteten wir. Alexander war es, der mir das »Du« anbot. Ich freute mich überschwänglich und konnte mich gerade noch so beherrschen, ihm nicht um den Hals zu fallen, denn … ein Schuss ertönte und im Anschluss ein dumpfes Klingeln der Glocke im Kirchturm. Augenblicklich drängt sich und eine schwere Präsenz auf. Es schien so, als würde die Erde unter uns vor mächtigen Schritten erzittern.
Alexander und ich versuchten mit vereinten Kräften den Stein herauszu meißeln, doch er bewegte sich einfach nicht.
Ein weiterer Schuss. Dieses Mal aus der anderen Richtung. Die Glocke bimmelte erstickt.
Abermals machten wir uns an dem Stein zu schaffen. Er wackelte etwas mehr.
Dann erneut ein Knall. Doch dieses Mal blieb die Glocke stumm.
Wir zogen und zerrten mit aller Kraft an dem Stein.
Ein erneutes Donnern. Ein mächtiger Schlag der Glocke über uns.
Der Stein rutschte heraus. Dahinter lagen die Knochen. Eilig griffen wir beide in das Loch. Nahmen die Knochen heraus. Legten sie in den mitgebrachten Eimer. Danach nahmen wir die Beine in die Hand. Eilten in den Wald. Zu unserem Treffpunkt. Hatten die anderen gesehen, dass wir aus der Kirche gestürmt waren?
Atemlos kamen wir am Treffpunkt an. Dort warteten schon Birgit und Dr. Nicklas. Ihre Pferde hatten sie bereits an einem Baum festgebunden. Zufrieden zupften die Tiere an einigen Blättern. Wir hätten gerade eine Kirche geschändet, entfuhr es mir, dafür müsste ich dringend Buße tun. Am besten bei Vater Klarhed. Dem gutaussehenden Priester aus … Da nahm mir Lindroth den Eimer aus der Hand und entgegnete mit harscher Stimme, ob es denn nichts Wichtigeres gäbe. Ich musste grinsen.
Der erste Teil unseres Planes hatte schon einmal hervorragend funktioniert.