Mit der Kutsche ging es weiter nach Färnsta. Im Gepäck einen Umschlag mit einer uns unbekannten Geldsumme für die Unterbringung bei der Dorfvorsteherin den Dr. Nicklas erstaunlicherweise mir anvertraut hatte und einem Kutscher, den er den Namen Gustav gegeben hatte – nicht zuletzt, weil er ebenso den Namen Nicklas trug und es nach seiner Meinung nach nicht zwei dieses Namens geben durfte. Birgit ritt. Einen ganzen Tag dauerte unsere Reise, dabei ging es immer tiefer und tiefer in den Wald hinein. Gegen Abend kündigten die blassen Lichter in der Ferne von der Nähe des Dorfes. Als wir eintrafen, war es bereits spät.
Das größte Gebäude in dem kleinen Dorf war eine Kirche. Im Gegensatz zu allen anderen Häusern bestand sie aus Stein. Wir passierten fast das Sägewerk, welches deutlich kleine war als das unseres Auftraggebers und vermutlich mit Wasserkraft angetrieben wurde, bogen kurz vorher aber ab und steuerten auf ein schön verziertes Holzhaus zu. Dort wurden wir von der Dorfvorsteherin Märta Karström empfangen. Sie war eine Frau um die 40, mit blondem, streng zu einem Knoten nach hinten gebundenem Haar, aber recht freundlichem Blick. Märta hieß uns willkommen und bat uns hinein. Wir stellen uns vor und erklärten, wer uns geschickt habe und warum wir gekommen waren. Da sie aber nur zwei Zimmer mit Stockbetten hatte, müssten wir beiden Damen – Birgit und ich – und die beiden Herren – Dr. Nicklas und der Kutscher Nicklas, den wir alle nur Gustav nannten – sich eines teilen. Unser Arzt war darüber nicht begeistert und meinte, dass darüber ja wohl noch zu reden sei. Gustav brachte unser Gepäck hinein. Der Dorfvorsteherin fiel dabei ein, dass es ja da noch eine winzige Kammer gab, die der Kutscher nutzen konnte. So bekam unser alter Herr also mal wieder seinen Willen. Dieser wies mich dann an, unserer Gastgeberin den Umschlag mit der Geldsumme zu geben. Sie nahm ihn zwar, stellte aber sogleich klar, dass sie nicht vorhatte ihr Land zu verkaufen. Das Sägewerk sei seit drei Generationen im Besitz ihrer Familie. Es sei ihr Leben. Außerdem, was sollte sie mit dem Geld? Hier könne sie damit nichts anfangen, da müsste sie in die Stadt und was sollte sie ausgerechnet da? Sie wolle sich aber mal umhören, wer sich zuletzt mit den beiden Fremden unterhalten habe und ob jemand etwas verkaufen hatte wollen. Dorotea Skytt, fügte sie da noch hinzu, verfügte über das meiste Land.
Wir richteten uns ein, danach aßen wir gemeinsam mit Märta. Wir berichteten, dass Nils verstört bei Meijer angekommen sei und immerzu von einer bösen Bestie mit roten Augen berichtet habe. Die Frau runzelte die Stirn und zeigte sich erschrocken über diese Geschichte. Man erzähle sich, dass die Kirche und den Friedhof einen Beschützer, ähnlich eines Wolfes mit rotglühenden Augen habe. Er solle den heiligen Boden dort beschützen. Sei Kirche und Friedhof nahe am Wald? Oh ja, bestätigte sie. Die Bäume reichten bis an die Friedhofsmauer heran und auch darüber.
Hier im Dorf lebe man im Einklang mit der Natur, betonte Märta dann, als würde das einfach alles erklären. Sie nähmen nur so viel Holz, wie sie bräuchten. Und beim besten Willen könne sie sich einfach nicht vorstellen, dass jemand Land verkaufen wolle, schließlich halte man zusammen. Dr. Nicklas berichtet eine vermeintliche Geschichte aus seiner Kindheit. Damals habe er sich immer vor dem Wald gefürchtete. Doch dann habe seine Mutter ihm von den guten Geistern des Waldes erzählt und seine Angst sei vergessen gewesen. Die Dorfvorsteherin nickte. Weiter führte der Arzt aus, dass es nur gutheißen könne, wie sie das Holz hier verarbeiteten und das ganze ohne große, dröhnende Dampfmaschinen. Das schmeichelte unserer Gastgeberin sichtlich. Immerzu nickte sie und stimmte dem alten Herren zu. Weiter sei er auch der Meinung, dass es ganz recht sei, dass das Dorf unter sich bliebe, niemand hier solle sein Land verkaufen, es war gut, wenn alles so blieb, wie es schon immer gewesen war. Und auch wenn ich angenommen hatte, er sagte all dies, nur um sie zu umgarnen, glaubte ich inzwischen tatsächlich, dass er selbst zumindest ein klein wenig dieser Meinung war. Erneut betonte sie, sich nach den letzten Gesprächspartnern der Reisenden umzuhören. Darüber hinaus sollten wir uns bei ihr melden, sollten wir etwas benötigen oder gar Unterstützung brauchen. Birgit und mir kam die Dame etwas zu bemüht vor. Ihre Unterstützung war schon regelrecht übertrieben. Dr. Nicklas schien ihr aber schon beinahe verfallen zu sein. Gerne könnten wir uns aber auch alleine umhören. Die Dorfhalle sei dafür ein geeigneter Ort.