Ein gottloses Geheimnis – Blutige Spuren (Teil VIII)
Ein gottloses Geheimnis – Blutige Spuren (Teil VIII)

Ein gottloses Geheimnis – Blutige Spuren (Teil VIII)

Zuerst einmal brachen Alexander und ich zur Kirche auf. Wir hatten einige Augenblicke früher dort sein wollen. Ich suchte mir einen Platz in der Nähe von einigen Bäumen, hinter denen sich mein Adeliger versteckt hielt. Bald darauf kam Sven auf mich zu. Der Holzfäller wirkte gehetzt. Was ich wissen wolle? Er fühlte sich sichtlich unwohl. Ich sei an Geschichten interessiert. Könne er mir eine Geschichte über die verschwiegene Gesellschaft erzählen? Woher ich davon wisse? Ich winkte ab, das sei doch recht offensichtlich, erwiderte ich. Hoffentlich erführe Märta von alledem nichts, raunte er mir zu. Würde ich dann etwa auch getötet werden? Da wurde er plötzlich kreidebleich. Das könne er doch nicht zulassen, entfuhr es mir vollkommen fassungslos. Wir hätten uns doch gerade erst kennengelernt! Diese Frau sei vollkommen verrückt, entgegnete er mir verzweifelt, nichts und niemand könne sie aufhalten. Was solle er denn tun? Er könnte nicht … Da begannen plötzlich die Glocken der Kirche zu läuten. Es war ein lautes und durchdringendes Läuten und da war … noch etwas anderes. Ein menschlicher Schrei. Der Schrei eines Mannes. Ein markerschütternder Schrei. Er war aus der Kirche gekommen. Sven drückte mir panisch einen Zettel in die Hände und floh in Richtung Wald. Perplex blieb ich stehen. Es war Alexander, der aus dem Gebüsch sprang, mich bei der Hand packte und von der Kirche Richtung Märtas Haus zerrte. Da habe ein Mann in der Kirche geschrien, wandte ich protestierend ein. Dafür sei jetzt keine Zeit, meinte mein Geliebter und zog mich weiter. Als das Haus der Dorfvorsteherin vor uns auftauchte, löste ich mich aus seiner Umklammerung. Vorsichtig schlichten wir uns wieder hinein.

Oben im Zimmer der Männer angekommen, hielt mir der alte Herr einen abgepausten Brief entgegen. Da entfaltete ich den Zettel in meinen Händen und stellte fest, dass es sich um denselben Brief handelte. Die Nachricht war kurz. Ein Treffen der verschwiegenen Gesellschaft war für morgen Abend am üblichen Ort anberaumt. Unterzeichnet war er mit den Buchstaben »LF«, was Alexander als »Liberorum Foedus« wiederzuerkennen glaubte. Darüber hinaus war der Gelehrte sich sicher, dass dieselbe Person die Briefe geschrieben haben musste. War also Märta die Mörderin von Hammarström?

Nachdem wir den anderen berichtet hatten, was bei der Kirche vorgefallen war, hatten sie darauf bestanden, jetzt sofort zur Kirche zu gehen. Das laute Läuten hätten auch sie gehört. Ich erklärte mich zwar bereit, hatte aber vor, mich einfach hinter einem von ihnen zu verstecken. Vielleicht am besten hinter Birgit. Wir brachen auf. Es war ruhig. Erschreckt, wenn man bedachte, wie laut der Glockenschlag gewesen war. Der Schlüssel steckte in der massiven Kirchentür. Wir gingen hinein. Die Kirche war von einigen, wenigen Kerzen erhellt. Mehr als diesiges und düsteres Licht warfen sie jedoch nicht. Vor dem Altar waren mehrere dunkle Flecken, die sich als Blut herausstellten und zur Sakristei führten. Wir folgten den Spuren. Die Tür zur Sakristei war angelehnt. Wir stießen sie auf. Vor uns lag ein abgetrennter Arm. Ich zuckte zusammen. In der zusammengeballten Faust ein eiserner Ring wie von einem abgerissenen Türklopfer. Der Arm war der des Priesters. Der Blick in die Sakristei hinein offenbarte seinen toten Körper weiter hinten. Auch ihn schien der Kirchengrimm erwischt zu haben. Die Wunden erinnerten an die von Hammarström. Mit letzter Kraft hatte der Gottesmann eine Botschaft mit seinem eigenen Blut auf den Boden geschrieben: Täuschung, Verrat, Gotteslästerung. Neben ihm die fehlende Steintafel, die das Versteck der Bestie beschrieb. Unser Auftauchen schien ihn zu eigenen Nachforschungen angeregt zu haben. Diese hatten ihm nun das Leben gekostet. Ich seufzte schwer. Er war nicht der Priester, den ich gerne hier gesehen hätte, aber er war dennoch ein Mensch gewesen und noch dazu ein freundlicher.

Wir müssten diesem Kirchengrimm den Garaus machen, hob Birgit an, und wenn uns dabei jemand helfen könne, dann das Mädchen der Skytts. Sie wisse sicherlich am besten, was in den Wäldern hier vor sich ginge und wo wir diese Bestie würden finden können. Alexander nahm die Tafel an sich. Gemeinsam verließen wir anschließend die Kirche. Um das Gotteshaus herum führten riesige Pfotenabdrücke. So groß wie die eines Löwen.

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