Ein gottloses Geheimnis – Hilferuf (Teil I)
Ein gottloses Geheimnis – Hilferuf (Teil I)

Ein gottloses Geheimnis – Hilferuf (Teil I)

Sophia hatte sich gut eingelebt und war unserem Gustav eine große Hilfe. Dennoch jammerte der alte Herr, denn selbst zu zweit sei die Arbeit einfach nicht zu schaffen. Immerhin kochte Sophia recht passabel. Vermutlich türmte sich die Arbeit aber auch, weil Gustav das ein oder andere Mal lieber ein Schätzchen mit uns hielt, anstatt zu arbeiten. Immerhin erfuhren wir so, dass die Gesellschaft noch immer Unterstützung durch die Universität in Uppsala und den schwedischen Staat erhielt. Früher einmal habe sie auch Zuwendung durch die Kirche bekommen – seit einer Spaltung der Gesellschaft jedoch, in der sich eine Gruppe abwandte, die gute Beziehungen zur Kirche hatte, war diese ausgeblieben. Über diese Splittergruppe, er war also doch nicht so senil wie er manchmal tat, wusste er, dass sie die Vaesen nicht als Naturgeister ansahen, sondern als Kreaturen des Teufels – was ja durchaus zur Weltanschauung der Kirche passte – die man verjagen, vertreiben oder am besten vernichten musste. Diese Betrachtungsweise war keineswegs mit jener der Gesellschaft, so wie wir sie kannten, vereinbar. Was wohl noch für interessante Informationen über die Gesellschaft in dem guten Gustav schlummerten? Im Übrigen erzählte er des Öfteren – vielleicht war er ja doch senil – stolz davon, dass seine Familie der Gesellschaft seit jenem Tag treu diente, da sie eine Niederlassung in Uppsala aufgebaut hatte. Und so, betonte er da immer, sollte es natürlich auch weiter bleiben, denn Traditionen sollten gepflegt werden. Mir fiel es zugegeben schwer zu glauben, dass er selbst eine Frau oder gar Kinder hatte, aber vielleicht hatte er ja weitere Verwandte.

Gerade als mein wirklich gutaussehender Alexander das Schloss verlassen hatte, um Nachforschungen über diesen Albert anzustellen, überbrachte Gustav unserem Dr. Nicklas eine Nachricht. Der wohlhabende großindustrielle August von Meijer aus Nordschweden bat dringend um unsere Hilfe. Er war in der Holzindustrie, kaufte bewaldete Flächen auf, baute dort Sägewerke, gab ortsansässigen Arbeit und holzte ab. Jüngst habe er zwei Arbeiter nach Färnsta nördlich von Härnösand geschickt, um weitere Wälder aufzukaufen. Nur einer der beiden, sein Arbeiter Nils Lindeskölt, sei zurückgekommen und das in einem erbärmlichen Zustand! Mitten in der Nacht kam er lediglich, mit einem Nachthemd bekleidet angeritten und faselte immerzu etwas von einem bösen Tier, welches er in dem Dorf gesehen habe, mehr noch schien er seit jener Begebenheit den Verstand verloren zu haben. Nun sorge er sich natürlich um seinen anderen Arbeiter, Gottfried Hammarström, denn von diesem habe er seitdem nichts mehr gehört. Wir seien ihm wärmstens empfohlen worden und daher hoffe er auf möglichst baldige Hilfe. Fahrausweise für den Zug nach Ånge seien beigelegt. Vom dortigen Bahnhof würde uns eine Kutsche abholen und zu ihm nach Härnösand bringen. Es sei alles für unsere Reise vorbereitet. Da aber eine Reise so hoch in den Norden durchaus gefährlich sei, habe er uns die erfahrene Jägerin Birgit Algotsdottir zur Seite gestellt.

Kaum hatten wir zu Ende gelesen, da kündige Gustav auch schon Frau Algotsdottir an. Die Frau mit dem dunklen Haar war etwas älter als ich. Sie trug einfach, robuste Kleidung, dazu passendes Schuhwerk, eine Büchse lässig über der Schulter und ein großes Jagdmesser am Gürtel. Wir stellten uns einander vor. Nach einem kurzen hin und her, entschieden wir am besten noch heute aufzubrechen. Glücklicherweise hatte Gustav schon eine Kutsche bestellt – er kannte uns inzwischen ja recht gut. Diese würde aber erst in einigen Stunden hier eintreffen. Es blieb uns also noch genug Zeit, um unsere Sachen zu packen, wobei ich warme Kleidung und meine Nyckelharpa mitnahm. Auf die Frage, ob es dort Mücken gäbe, nickte die Jägerin nur. Dann bräuchten wir also auch noch etwas gegen Mücken. Gustav brachte Essig. Ich rümpfte die Nase. Gäbe es wirklich nichts anderes? Etwas wohlriechendereres vielleicht? Dr. Nicklas lachte nur spöttisch. Wir packten also Essig ein. Es half ja nichts.

Im Anschluss suchten wir die Bibliothek im Schloss auf. Über das Dorf Färnsta fand sich in der Bibliothek nichts, vermutlich war es einfach zu klein, dafür fand ich etwas über unseren Auftraggeber August von Meijer. Er war ein wirklich äußerst wohlhabender Großindustrieller, der sein Holz nach Südschweden und Europa exportierte. Seine Reputation war wirklich vielversprechend, mehrere Zeitungsartikel verdeutlichten, dass er sich sehr gut um seine Arbeiter kümmerte. Der Mann war um die 50 und sah gar nicht so schlecht für sein Alter aus. Sein Haar war sogar noch voll. Lediglich den Schnauzer fand ich etwas gewöhnungsbedürftig. Ob er … eine Frau habe? Dr. Nicklas zog seine Augenbrauen tadelnd nach oben. Ich solle doch besser auf einen passenden Herren warten. So wie er auf eine passende Dame warten?

Sicher schien jedoch eines: Wenn wir diesem Mann halfen, dann hatte die Gesellschaft sehr wahrscheinlich einen Mäzen (mehr).

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