Grenzenlose Macht – Verwundet
Grenzenlose Macht – Verwundet

Grenzenlose Macht – Verwundet

Ach, Hjore, mein Hjore! Kaum bist du nicht an meiner Seite, da geraten die Dinge vollkommen außer Kontrolle. Eine Horde marodierender Ork ist über das Kloster hergefallen und hat uns fast den gar aus gemacht! Bei Praios! Kaum hatte man mich zur Versorgung meiner blutenden Wunden zu einem meiner Glaubensbrüder gebracht, so bat ich unter Schmerzen darum, dass du und Aargunde auf der Stelle geweckt und zu mir gebracht werden würden. Des Weiteren verlangte ich unverzüglich, Nicola de Mott zu sehen.

Hätten wir die Spur der Orks doch verfolgen sollen? Damals, als wir an der Furt gestanden waren, der Spur der Orks folgend, waren wir ganz unvermittelt auf Vayah getroffen. Sie war nackt. Keine Ahnung, was mit den Elfen und Zwergen um mich herum los ist, aber anscheinend haben sie allesamt eine Vorliebe dafür, nackt herumzulaufen. Nun, die entschied sich erst einmal ihre Sachen aus dem Baum zu holen und wieder zu uns zu stoßen. So geschah es. Dann erklärte sie uns, dass sie den Ort gefunden habe, an dem das Pferd auf seinen Reiter (den Anconiter) gewartet habe. Der Reiter sei, so erklärte die Elfe weiter, in ein Loch im Fels geklettert und nicht wieder gekommen, habe das Pferd gesagt. Habe das Pferd gesagt? Manchmal war ich mir nicht sicher, ob die Elfe es ernst meint oder uns alle nur einen Bären aufband, da sie aber den Verstand eines Kindes hatte, glaubte ich an ersteres und daran, dass sie wirklich glaubte, mit dem Pferd gesprochen zu haben. Nun, wir sollten uns diesen Ort mal genauer ansehen. Konnte ja nicht schaden.

Wir verfolgten weiter die Spuren der Orks. Auf dem Weg trafen wir einen Heilkundigen, Borbrand von Havena, den wir dem Weg zum Kloster wiesen und gerade noch so davon abhalten konnte, uns zu folgen. Im Nachhinein hätten wir ihn uns besser anschauen sollen und müssen, aber wir waren mal wieder zu fixiert auf unsere derzeitige Aufgabe. Wir folgten noch etwas den Spuren, die sich dann aber verloren. Aus purer Verzweiflung heraus, versuche ich erneut nach dem Szepter zu spüren. Doch meine Bitte an Praios fand kein Gehör. Überhaupt keines. Es gab keine Antwort. Gar keine! Und ich fühlte nichts. Nichts! Ich geriet in Panik. Begann unkontrolliert zu weinen. Liscom! Borbarad! Sie hätten es schon wieder getan! Sie hatten mich erneut von Praios abgeschnitten!

Ich erinnere mich nicht mehr daran, wie wir zurück ins Kloster kamen. Doch ich erinnerte mich auch später noch an die Stimme, die mich auf dem Weg plagten. »Der will dich doch auch nur unterdrücken und klein halten.« »Du könntest dich gegen Liscom zur Wehr setzen. Viel wirkungsvoller als mit deinem vermeintlichen Götterfürsten.« »Und dieser kleine, sterbliche Wurm hat noch nicht einem den Hauch einer Ahnung, was WAHRE MACHT bedeutet. Du aber könntest sie haben. Du.« Sie verstummten erst, als Aargunde und ich uns zum Gebet zurückgezogen hatten.

Die Nacht schlief ich unruhig. Ich träumte von Galgen und Richterstühlen aus Schädeln, gestalten in dunklen Kutten, mit Peitschen und Schwertern. Auch du, Hjore schliefst unruhig. Du hast wieder einmal von Borbarad geträumt oder besser gesagt, hast mal wieder seine Träume geträumt. Weil wir beide nicht mehr so recht einschlafen konnte, beschäftigten wir uns miteinander. Bruder Tobur hielte sich schließlich, wie Hjore mir zuraunte, mit der Schreinerin Andra auch nicht an alle Gebote des Klosters.

Als wir am nächsten Morgen auf dem Weg zur Andacht waren, erfuhren wir von einem erneuten Mord. Karim, Sohn des Doros war in seinem Zelt im Handwerkerdorf ermordet worden. Wie schauten uns alles vor Ort an. Die beiden Zwerge Jandrin und Arthag hatten ihren toten Kameraden gefunden. Der tote hatte ein blau angelaufenes Gesicht. Arthag habe die Nacht mit ihm im Zelt verbracht. Dessen Tod habe er nicht bemerkt. Dieser Zwerg war verrückt, das hatten wir schon immer gewusst, aber das er nicht mal merkte, wenn man neben ihm jemanden ermordete, verstand ich einfach nicht. Während Armatio die neugierigen fern hielt, schaute Anjun sich den toten genauer an. Er fand einen Draht um den Hals des Zwerges und ein Büschel grauer Barthaare dessen Hand. Außerdem stecke er mir ein Stück Pergament zu.

Wir verließen den Tatort. Schauten uns das Stück Pergament an. Darauf waren seltsame Symbole und elementare Zeichen zu sehen. Schlau wurden wir (mal wieder mal) nicht daraus. Wäre auch mal was Neues gewesen.

Wir entschieden, den Ort aufzusuchen, den das Pferd unserer Elfe beschrieben hatte. Dort fanden wir in der Tat den Zugang zu einer Höhle im Fels. Und in der Höhle befanden sich neben (verbotenen) Büchern und anderen vergoldeten Dinge, die aus einem Praios-Tempel oder -Kloster stammen könnten, einer meiner (verwirrten) Glaubendbrüder und das gesuchte Szepter. Ich nahm letzteres an mich. Der Geweihte, Bruder Rocchus, stammelte verwirrende Dinge. Er habe all diese Dinge vor den Orks beschützte, die ganze Zeit. Auch die Bücher nahmen wir an uns. Auf dem Weg zurück verbrannten wir sie. Wie auch damals in der Wüste Gor, waren wir uns einige: Sie waren einfach viel zu gefährlich. Das Szepter blieb bei mir. Ich trug es fortan bei mir.

Bei der nächsten Gelegenheit suchten wir mit dem Szepter das Grab von Arras de Mott auf. Doch bevor es dazu kam, gab es im Handwerkerdorf ein Ausbruch einer seltsamen Krankheit aus dem Dschungel. Vayah konnte sich zwar nicht an deren Namen erinnern, wusste allerdings wie man sich davor schützte und gab uns so allen Tee zu trinken. Gryox meinte, dass ein böser Geode dahinterstecken könnte. Beweise gab es keine. Eine erneute Seltsamkeit, wie sie die letzte Zeit häufiger vorkamen. An Zufall glaubte keiner von uns. Am Abend suchten wir dann die Krypta auf. Doch als wir das Szepter in die Öffnung steckten, leichtete lediglich eine Inschrift auf: »Des Pförtners Ruf solang verhallt, bis heiliges Blut im Schreien wallt.« Da erinnerten wir uns daran, dass es im Vorraum eine Blutrelique gab, die zu jedem Vollmond flüssig wurde. Wir waren also zu früh. Zwei Tage zu früh.

Unverrichteter Dinge gingen wir zurück. Dabei bemerkte Anjun, dass sich draußen jemand über den Hof des Klosters schlich. Er und Armatio schauten nach. Rondrigo, Gryox und ich gingen zwar ebenfalls in den Hof, da war es aber bereits zu spät den anderen zu folgen. Wir warteten geraume Zeit und dann kamen die beiden Männer mit einem Novizen wieder. Der Knabe war voller roter Farbe. Gryox stellte fest, dass ein Zauber auf dem Novizen läge. Vermutlich von einem Herren der Erde. Der Novize Efferdan konnte sich an nichts erinnern und bestritt alles, erst recht eine Schmiererei angebracht zu haben. Seine Kleidung sagte allerdings etwas anderes. Er musste sich vor uns ausziehen und wir durchsuchten seine Sachen. Er hatte nichts weiteres Verdächtiges bei sich. Anjun berichtete, dass der Knabe an die Wand geschmiert habe: »Die Götter zürnen ob eurer Frevel. Flieht, bevor der Tod euch ereilt!«

Da Gryox nicht ausschließen konnte, das Efferdan noch einmal beherrscht werden konnte, nahmen wir ihn mit zum Baum, wo wir ein Lager aufschlugen. Wir teilten Wachen ein. In der Mitte der Nacht schrie Anjun plötzlich um Hilfe. Verschlafen rafften wir uns alle auf, orientierten uns und eilten in die Richtung seiner Rufe. Sie führten uns zur Baustelle, wo gerade einige Orks dabei waren alles einzureißen. Wir schafften es, die Orks zu besiegen, doch Anjun wurde verwundet. Vayah und Efferdan kümmerten sich um ihn, während Rondrigo und ich die restlichen Orks verfolgten. Wir stellen sie im Tempel. Vayah und Anjun eilten uns zu Hilfe. Doch Anjun wurde so schwer getroffen, dass er bewusstlos zusammenbrach. Und auch ich wurde mehrfach verletzt. Doch wir konnten sie besiegen. Mit der Hilfe der Brüder und Schwestern aus dem Kloster.

Eines war klar: Der Tempel musste um jeden Preis fertiggestellt werden. Nur er vermocht diesen Ort zu schützen. Und je früher das geschah, desto besser.

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