Ein gottloses Geheimnis – Geselliger Abend (Teil VII)
Ein gottloses Geheimnis – Geselliger Abend (Teil VII)

Ein gottloses Geheimnis – Geselliger Abend (Teil VII)

Wir wurden bereits draußen vor Märtas Haus erwartet. Die Hausherrin hatte sich redlich bemüht. Sie habe auch einige Dorfbewohner eingeladen, eröffnete sie, treue Mitarbeiter aus ihrem Sägewerk, wir hätten doch sicher nichts dagegen? Natürlich nicht, erwiderten wir. Wenig darauf kamen die anderen Gäste dazu. Es waren zwei Frauen um die 20 und vier Männer um die 30. Sie wirkten nett und freundlich. Märta stellte sie uns als Gösta Lind, Thomas Johansson, Joar Lindroth, Sven Lindskog, Lisa Syrén und Viola Jönsson vor. Wir stießen mit einem Gläschen Schnaps auf den Abend an. Es war ein guter Brand. Samtweich rann er die Kehle herunter. Könne jemand ein Instrument spielen? Oh ja, erwiderte ich, gerne würde ich nach dem Essen aufspielen. Doch noch war das Essen nicht fertig und so unterhielten wir uns angeregt mit den Dorfbewohnern, wobei diese immer wieder der Gastgeberin vertrauenswürdig zunickten.

Während Alexander seine Gegenüber mit Berichten von seinen getätigten Reisen unterhielt, verscheuchte Dr. Lindroth seine Dame mit grässlichen Berichten über Operationen und Leichenöffnungen. Was stimmte mit diesem Mann eigentlich nicht? Mir leistete Sven Gesellschaft. Während ich von meinem Leben erzählte, berichtete er von seinem. Sie seien hier ziemlich für sich. Mein Versuch, ihn auszufragen, scheiterte jedoch. Er brachte mir erneut ein Gläschen Schnaps. Wir tranken. Doch anstatt damit mich redseliger zu machen, wurde er es. Er fände mich wirklich äußerst nett, ich sei so eine angenehme Gesellschaft, würde ich länger bleiben. Ich zuckte mit den Schultern, das könne ich noch nicht sagen. Habe er schon einmal die Kreatur bei der Kirche gesehen? Gesehen nicht, aber gehört. Es sei eine riesige Katze. Immer wenn die Glocken läuten, gäbe es wieder ein neues Opfer. Wer habe etwas gegen die Fremden gehabt? Er biss sich auf die Lippen und blickte zu Märta hinüber. Er habe bereits zu viel getrunken, erklärte er, und zu viel gesagt. Ich solle ihn gegen Mitternacht bei der Kirche treffen. Hervorragend, erwiderte ich ihm. Sei er eigentlich verheiratet? Entgeistert blickte er mich an. Ich frage nicht für mich, behauptete ich und deutete auf Birgit, die sich ebenfalls gerade mit jemandem unterhielt, sondern für eine Freundin. Röte stieg in sein Gesicht. Nein, er sei nicht verheiratet, erwiderte er. Er müsse jetzt aber wirklich gehen. Damit verabschiedet er sich. Erst von mir und dann von Märta.

Die Kartoffeln waren fertig. Wir setzten uns und aßen. Dazu gab es Fisch und Fleisch und mehr Bier, dazu frisches Quellwasser. Es fanden muntere Unterhaltungen statt. Alle Dorfbewohner waren einhellig der Meinung, dass es nicht zum Wohle des Dorfes sei, Wald zu verkaufen. Zum Schluss würde man hier noch eine dieser grässlichen und lauten Dampfmaschinen in Betrieb nehmen, die alles um sie herum mit ihren Abgasen verpestete. Zudem bräuchte diese doch Kohle und dafür müsste eine Straße ins Dorf gebaut werden. Nein, nein, nein, es sollte besser, alles so bleiben, wie es war.

Warum hätte man sich damals ausgerechnet hier niedergelassen? Nach einer alten Legende, hob die Dorfvorsteherin da an, sei man unter der Führung der Skytts und Karströms nach Norden gereist, da habe gleißend leuchtende Sonnenstrahlen auf eine Lichtung gezeigt. Ein Zeichen Gottes! Dort sei die Kirche erbaut worden. Das Essen neigte sich dem Ende. Ich holte meine Nyckelharpa und spielte das ein oder andere Stück, dabei sah ich, wie Birgit sich angeregt mit den Dorfbewohnern unterhielt. Die Jägerin schien einen Plan zu haben. Bald darauf neigte sich das gemütliche Zusammensein dem Ende. Die Dorfbewohner mussten am nächsten Tag arbeiten und wir hatten zu tun.

Wir gingen auf unsere Zimmer. Zuerst unterhielt ich angeregt mit Birgit, danach suchten wir die Männer auf und ich wiederholte ihnen gegenüber alles, was ich zu ihr auch gesagt hatte – mit Ausnahme der Tatsache, dass mir Alexander wirklich sehr gefiel. So erfuhren alle, was ich herausgefunden hatte. Zudem berichtete ich auch vom Treffen mit Sven und bat darum, dass mich jemand begleitet. Mein allerliebster Alexander wollte mich selbstredend begleiten. Es sei schließlich zu gefährlich, mich alleine gehen zu lassen, ich wisse ja, was jüngst bei der Kirche geschehen sei. Die Jägerin führe aus, dass die Dorfbewohner sicher so einiges tun würden, um ihr Dorf zu beschützen, aber genaugenommen glaubte sie nicht, dass Mord eines ihrer Mittel war. Kleinere Unfälle würden sie jedoch sicherlich in Kauf nehmen. Da fiel dem Gelehrten ein, dass wir ja die Schrift aus dem Brief, welchen wir bei dem Toten gefunden hatten, mit Märtas Schrift vergleichen könnten. Wir einigten uns darauf, dass Birgit ein Schriftstück der Hausherrin zum Vergleich besorgte.

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