Der Zorn des Bären – Spielbericht (Teil III)
Der Zorn des Bären – Spielbericht (Teil III)

Der Zorn des Bären – Spielbericht (Teil III)

Und so habe ich es geleitet

Die Nivesen
Schnell war klar, dass meine Helden die Nivesen aufsuchen wollten. Doch sie wollten auch nach Torsin, denn die Torsiner hatten ja den Perviner Winterbold gestohlen. Da aber Ropaddeshof mit dem Nivesendorf auf dem Weg nach Torsin lag, wollten sie das eine mit dem anderen verbinden. Schnell wurde alles gepackt und der Plan erst nach Torsin und dann zu den Nivesen zu gehen verworfen – der Tag war bereits fortgeschritten und nach Torsin war es zu weit, aber bis Ropaddeshof würden sie es noch schaffen. Dort angekommen, wurden die Helden freundlich und neugierig von der Nivesen-Sippe begrüßt. Bei nivesischen Spezialitäten wurden innerhalb der Sippe nun erneut und dieses Mal detaillierter die Sage von Jasu Hus erzählt. Interessanterweise war es ein Kobold, der Nia Las zu dieser Torheit verführte, von ihrem Gatten zu erwarten, dass er der Stärkste überhaupt sei. Während der Erzählung machten die Kinder immerzu passende Gesten und Grimassen. Anschließend wurde gegessen und getrunken. Die Helden wurden eingeladen, über Nacht zu bleiben.

Der Winterbold
Am nächsten Tag brachen die Helden nach Pervin auf. Auf dem Marktplatz fanden sie den Anführer der Perviner, den jungen Mann Wassa und auch den Torsiner Winterbold. Wassa ließ sich dazu breitschlagen, den Ort, an dem der Winterbold versteckt war, preiszugeben, sofern die Helden ihm dabei halfen, die hü… hässliche Janne zu treffen. Ja, der Knabe ist in die Torsinerin verschossen. Weder die junge Liebe, noch der Anführer kommen im Abenteuer vor. Dies war ein Kompromiss von mir, denn auf das Angebot des Torsiners in einen Wettstreit zu treten, gingen sie einfach nicht ein – dabei wollte ich gerne mal die (inoffiziellen) Regeln für eine Schneeballschlacht ausprobieren. Daneben war auch ein Ringkampf oder ein Schlittenrennen im Gespräch. Im Übrigen versuchten die Helden natürlich mehrfach, die Spur des Perviner Winterboldes aufzunehmen, doch wie sollte man eine Nadel in einem Heuhaufen finden? Vielleicht war ich an dieser Stelle zu hart oder aber die SpielerInnen unterschätzen die schiere Anzahl der Verstecke? Sie zogen also ab und versicherten, dass Janne sich mit ihm treffen würde. Auch die folgende Nacht verbrachten sie bei den Nivesen.

Im Abenteuer war an dieser Stelle vorgesehen, dass die Perviner den Torsiner Winterbold stehlen und es dann zu einem Ringkampf um die Winterbolde kommt.

Diebstahl des Perviner Winterboldes
Mit Tia-Li, der ältesten Tochter der Nivesen, brachen die Helden am nächsten Morgen auf. Sie wollte ihnen bei der Ausrichtung der nivesischen Hochzeit helfen – und sollte im Notfall als Braut fungieren. Bei sich trug sie alle für die Hochzeit wichtigen Dinge. So kehrten die Helden also zum Haus der Baronin zurück. Dort waren inzwischen einige Gardisten, nach denen Mirhiban geschickt hatte, eingetroffen. Der Weibel und seine 14 Männer und Frauen hielten Janne ordentlich auf Trab, aßen und tranken, was die Vorräte hergaben. Dort erfuhren die Helden auch, dass die Jägerin Maline dem Bären zum Opfer gefallen war. Sie habe den Bären wohl mit Honig herbeigelockt und er habe sie in Stücke gerissen. Nun wollten die Gardisten dem Bären den Garaus machen. Von den Helden ließen sie sich nichts sagen und auch nicht beirren. Ein unsterblicher Bär? Was für ein Unsinn!

Mit einiger Überredungskunst war Janne einverstanden, den Anführer der Torsiner zu treffen. Ganz so uninteressiert schien sie an ihm auch nicht zu sein – zumindest putzte sie sich heraus. Tia-Lia kümmerte sich mit Mirhiban um das Zelt, welches noch für die Hochzeit benötigt werden würde. Indes brachen die Helden mit Janne an der Seite gen Torsin auf. Sie setzten sie bei dem Heuschober, in dem das Treffen etwas außerhalb von Torsin stattfinden sollten, ab uns sorgte dafür, dass Wassa auch hierherkam. Er verriet ihnen dann auch, wo sie den Winterbold fanden: An der Umfriedung des Gasthauses »Zur Gans«, welches außerhalb von Torsin stand, sei er versteckt. Einziges Problem dabei sei allerdings, dass dort gerade seine Schwester Wache hielte.

Die Helden brachen zum Gasthaus auf. Das war dann auch schon die beste Idee, wobei es immerhin recht lustig war. Sie kamen also dort an, ritten an der Umfriedung entlang. Der Jäger wollte die Schwester mit einem Schinken herauslocken, den er mit ihr zu essen gedacht – jaaa, kann man schon machen, aber … echt jetzt? Mit der Mobbing-Klugheitsprobe kamen sie dann darauf, dass die Schwester ohne richtige Geschichte misstrauisch werden würde. So kam es, dass der Jäger nach seinem Freund rief, mit dem er sich hier vermeintlich habe treffen wollen. Eigentlich hatte er nach einer Freundin rufen wollen, aber irgendwie kam ein Männername dabei heraus – ja, amüsant war das schon. Mit zusätzlichem Klopfen machte er also auf mich aufmerksam. Nachdem er mit der Schwester geredet hatte und sich herausstelle, dass sein Freund ein »dummer« Perviner war, half sie ihm zu suchen. Ich habe beide Augen zugedrückt, außerdem war seine Betören-Probe wirklich gut – traut man dem Jäger gar nicht zu, aber er hat schon der ein oder anderen einen Hasen gebracht. Während er sie ablenkte, holten die anderen beiden den Winterbold aus dem Heuschober und banden ihn auf das Pferd. Der Krieger gab sich dann als vermeintlichen Freund des Jägers aus, den er gesucht hatte und eilige machten alle sich zurück. Die Taschendiebin hatte den Winterbold indes mit einer Decke etwas abgedeckt, um sein weißes Gewand zu verbergen und ihm den Namen »Bettina« gegeben. So kamen sie am frühen Morgen beim Haus der Baronin an, verstauten »Bettina« bei dem Pferd des Kriegers im Stall und gingen zu Bett.

Ja, diese Szene habe ich wirklich gut vorbereitet! Leider hat es meinen SpielerInnen an diesem Abend an einem Mindestmaß an Ernsthaftigkeit gefehlt, was zu einer Ermahnung meinerseits geführt hat und das ist etwas, was ich eigentlich äußerst ungern tue. Und so war die Szene zwar amüsant, aber von Grund auf auch irgendwie nicht das, was aus ihr hätte werden können.

Bärenhochzeit
Es deutete sich schon an, dass die Heldin in der Gruppe die Rolle der Braut nicht übernehmen würde, ob dies nun eine Entscheidung der Heldin war oder der Spielerin kann ich dabei gar nicht sagen und es ist genaugenommen auch gar nicht wichtig. Diverse andere Frauen wären dann in Betracht gekommen: Baronin Mirhiban, ihre Zofe Janne, die Rahja-Geweihte oder aber die Nivesin Tia Li – die ich ihnen nicht ohne Grund zur Seite gestellt habe. Wieder einmal kamen die Helden aber auf eine andere Idee: Ihr bornländischer Jäger sollte die Braut sein. Diese Lösung wurde im Abenteuer eigentlich ausgeschlossen, aber warum sollte ich mich ihr verstellen?

Nach ein wenig Schlaf machten sich also die Helden an die Hochzeitsvorbereitungen. Als Ort wählten sie einen verlassenen Heuschober im Wald. Dort wurde das nivesische Hochzeitzelt aufgebaut und bemalt. Die Nivesin Tia-Li half. Es wurde eine Spur aus Honig zum Zelt gelegt. Der Jäger wurde von Baronin Mirhiban und der Rahja-Geweihten herausgeputzt und wie eine novadische Braut geschminkt – er hatte also viel Farbe im Gesicht. Die Rahjani sprach einen Segen (Harmoniesegen) über die Braut. Dann bezogen alle Stellung. Der Krieger postierte sich am Waldrand auf seinem Pferd mit seiner Kriegslanze. Die Taschendiebin kletterte auf das Dach, um alles zu überblicken. Baronin, Geweihte und Nivesin zogen sich dicht an den Heuschober zurück, in dem sich die Pferde befanden. Das Karen stand neben dem Zelt und scharrte im Schnee.

Da alle – sowohl SpielerInnen als auch ich – das Abenteuer abschließen wollten, habe ich den Bären dann einfach auftauchen lassen, dabei gibt es keinen richtigen Grund, warum er ausgerechnet jetzt dort sein sollte. Zuerst hörten sie den Bären, dann tauchte er zwischen den Bäumen auf.

Und obwohl ich Vorlesetexte nicht mag, habe ich mich dazu entschieden mein Vorbereitung für das Abenteuer hier zur Verfügung zu stellen:

»Der Bär knurrt bedrohlich, doch dann sieht er … das Zelt … verharrt … richtet sich auf … schnuppert … bemerkt das Karen … fahrig schaut er sich mit seinen gelben Augen um … scheint verwirrt … wartete auf etwas
Furchtlos (Glücklicher Wurf) gehst du auf ihn zu.
Der Blick des Bären fällt auf dich … er knurrte … vor Wehmut … vor Sehnsucht … vor Schmerz
Leise fällt der Schnee.
Du legst Webrahmen und Teekessel in den Schnee … ziehst die Wolfskappe ab … lässt sie in den Schnee fallen … ein Windstoß fährt durch dein Haar … weht das Vergangen fort … macht Platz für das Neue
Der Bär beobachtet dich … hat sich keinen Schritt bewegt … steht noch immer auf den Hinterbeinen … er schaut und atmet … sein Atem geht schnell
Dein rotes Haar weht im Wind … der Bär hebt seine Pranke wie zum Gruße … lässt sie wieder sinken … er atmet heftig … kleine Wölkchen steigen aus seinen Nüstern … er scheint unschlüssig
Nun ziehst du das Messer aus der Scheide … stößt es in die Erde … nimmst Teekessel und Webrahmen wieder auf … langsam, ganz langsam gehst du auf den Bären zu
Er verharrt … schaut … atmet … bald kannst du fast das Fell des Bären berühren … er riecht unangenehm … streng … nach Raubtier
Wieder hebt er die Pranke … dieses Mal legt er sie auf deine Schulter … schwer liegt sie dort … scheint dich niederzudrücken … der Bär schluchzt … vor Gram … vor Kummer … vor Schmerz … seine Augen glitzern … mit der anderen Pranke streicht er das rote Haar fast zärtlich zurück
Wieder und wieder fährt er durch dein Haar, die Pranken scheinen schmaler zu werden … leichter zu werden … der Bär wird kleiner … sein Haar wird lichter … Haut schimmert hindurch … die Schnauze zieht sich in das Gesicht zurück … die Ohren legen sich gegen den Kopf, werden kleiner, verlieren ihre Haare … mehr und mehr wird aus dem Bären ein Mensch. Ja, ein Mensch. Ein Mensch! Ein Mann … auf deiner Schulter liegt seine Hand … an deinem Haar liegt seine Hand … ein hübscher Kerl … breite Schultern … sein erbärmliches Schluchzen wird immer leiser und leiser … rotes Haar … bernsteinfarbene Augen … roter Bart … muskulös … 2 Schritt groß … trägt nur einen Pelzumhang … ein schwarzer Bornbärpelz … sonst nackt … auf seinem Haar die Kapuze Schatten auf seinem Gesicht
Erst durchziehen einzelne graue Strähnen Bart und Haar … seine Augen werden fahler … kleine Fältchen bilden sich um Mund und Augen … werden tiefer … ausgeprägt … bald darauf ist Bart und Haar gänzlich ergraut … tiefe Furchen durchziehen sein Gesicht … seine Haut ist fahl und fleckig … er scheint geschrumpft … schaut dir in die Augen … fahle, ausdruckslose Augen … grau geworden … blind geworden … ein gebeugter Greis … vor dir steht ein gebeugter Greis
Seine Augen suchen deine … können sie nicht finden … er seufzt schwer … ein menschliches Seufzen … dann nimmt er seine Hände von deiner Schulter und deinem Haar
Du drückst seine Hand … schenkst ihm ein Lächeln
Langsam wendet er sich um … da ist der schwarze Bornbärpelz … er geht weiter … schrumpft zunehmen … wird immer kleiner und kleiner … bis der Pelzumhang zu Boden fällt
Leise fällt der Schnee. Der Wind säuselt in den Bäumen.
Zurück bleibt ein Umhang aus schwarzem Bornbärpelz. Ein Fell von außergewöhnlicher Pracht und Schönheit. Dicht und weich und seidig und schimmernd. Wenn du es berührst, spürst du den Weißen Jäger, aber auch die Anwesenheit seiner Tochter.«

Abschluss
Während Tia-Li sich mit ihrem Karen auf dem Weg nach Ropaddeshof machte, kehrten die Helden mit dem »Bärenkleid« nach Pervin zurück. In Pervin übergaben sie dann noch den Winterbold an die Jugendlichen. Am Abend wurde für sie ein großes Fest gefeiert.

Das war also »Der Zorn des Bären«.

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